Grenzenlos lebenswert

Weltkulturerbeantrag für den Donaulimes zurückgestellt

08.07.2019 - Drei Anlagen auf Passauer Stadtgebiet sind Bestandteile des Donaulimes.

Dreiflüsseeck von oben

Mit einem gemeinsamen Antrag haben Deutschland, Österreich, die Slowakei und Ungarn angestrebt, dass der römische Donaulimes in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wird. Am 07.07.2019 beschloss das UNESCO-Welterbekomitee auf seiner Jahrestagung in Baku (Aserbaidschan), dass das vorliegende, ca. 2.200 Seiten starke Dossier mit der Bitte um Nachbesserung noch einmal an die Antragsteller zurückgegeben wird. Der Antrag gilt damit als zurückgestellt.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Das Römische Reich hat bekanntlich auch in unserer Dreiflüssestadt seine Spuren hinterlassen, was uns sehr stolz macht. Trotz der vorläufigen Zurückweisung durch das Komitee werden wir derartigen Themen gegenüber auch künftig sehr aufgeschlossen sein und die Initiatoren auch weiterhin unterstützen.“

Der Donau-Limes bildete sich im Laufe des 1. Jahrhunderts n. Chr. als Nordgrenze des Römischen Reiches bzw. seiner Provinzen Raetien, Noricum, Pannonien und Moesien heraus. Er besteht aus einer Kette von Militäranlagen (Legionslager, Auxiliarkastelle, Wachttürme), die durch Straßen miteinander verbunden waren. Dieses System garantierte eine effektive Grenzüberwachung und kontrollierte Verkehr und Handel auf und an der Donau. Die im Umfeld der Kastelle entstandenen zugehörigen Zivilsiedlungen wurden zu Keimzellen zahlreicher moderner Städte.

Die Initiatoren der Bewerbung für den Weltkulturerbetitel verfolgen auch weiterhin den Plan, den ca. 7500 Kilometer langen Limes, in über 20 Ländern und drei Kontinenten von Schottland bis Marokko rund um das Mittelmeer zu einem gemeinsamen Weltkulturerbe erklären zu lassen. Der Antoninus- und Hadrianswall in Großbritannien und der Obergermanisch-Rätische Limes sind bereits Teil der grenzüberschreitenden Welterbestätte „Grenzen des Römisches Reiches“ der UNESCO. Der nächste große Schritt wäre die Aufnahme des römischen Donaulimes von Eining (Lkr. Kelheim) bis zur ungarisch-kroatischen Grenze.

Drei Anlagen auf Passauer Stadtgebiet sind Bestandteile des Donaulimes: Die römischen Hinterlassenschaften im Bereich von Kloster Niedernburg, das spätrömische Kastell Boiotro sowie der spätrömische Wachtturm Haibach an der Wiener Straße. Zudem nimmt Passau am Donaulimes eine in mehrfacher Hinsicht herausgehobene Position ein: Es liegt am Zusammenfluss von Donau und Inn nicht nur an einer verkehrstechnisch exponierten Stelle, sondern ist auch der einzige Ort, der Anteil an zwei römischen Provinzen hat. Der Inn bildete hier die Grenze der Provinzen Raetien und Noricum sowie die Grenze des gallischen und illyrischen Zollbezirks.

Unabhängig vom Stand der Nominierung ist der Donaulimes Thema einer Sonderausstellung mit dem Titel „Römische Donauperlen“, die das Römermuseum Kastell Boiotro in Passau ab dem 25.07.2019 zeigt.

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